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„Lisas Literatur-Likes“: Ein Buch, das mit Humor punktet und das Herz berührt

Lisa Mayer (28), Bronzegewinnerin bei Olympia in Paris mit der 4x100-Meter-Sprintstaffel, gibt in ihrer neuen Kolumne Literaturtipps und empfiehlt diesmal den Roman „Gute Gründe“ von Nadine J. Cohen.

DOSB Redaktion
DOSB Redaktion

25.02.2025

Warum diese Autorin und dieses Buch? 
Nach einigen Krimis und Thrillern in Folge war ich mal wieder auf der Suche nach einem richtig schönen Roman, der das Herz berührt und mich in eine andere Welt abtauchen lässt. Durch Stöbern in der Buchhandlung bin ich auf „Gute Gründe“ der australischen Autorin und Geflüchteten-Anwältin Nadine J. Cohen gestoßen. Titel und Cover haben mich sofort angesprochen. Der Klappentext war dann ein guter Grund mehr, das Buch zu kaufen.

Worum geht es? 
Die Australierin Yeal, Mitte 30, nimmt uns genau ein Jahr lang mit durch ihr Leben. Dieses ist ein ständiges Auf und Ab, denn sie hat Nein zum Leben gesagt. Yeal hat mit Depressionen zu kämpfen, der Tod geliebter Menschen ist allgegenwärtig, so richtig glücklich in ihrer Beziehung, wenn man diese überhaupt so nennen kann, ist sie auch nicht. Der Leser begleitet sie auf der langen Reise zurück zum Ja an das Leben.

Womit punktet das Buch besonders? 
Mit Humor! Wie passen Depression, Tod, Traurigkeit und Überforderung mit dem Sinn für Humor und Selbstironie zusammen? Nadine J. Cohen zeigt es auf besondere Art und Weise. Ich habe sehr lange während des Lesens nicht mehr so viel geschmunzelt. Besonders bewegt hat mich, wie versteckt Depressionen im Alltag sein können. Auf den ersten Blick müsste man meinen, Yeal führe ein zwar durchschnittliches, aber gutes Leben. Sie hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Schwester und deren Familie, besonders den drei Kindern, denen sie eine tolle Tante ist. Sie hat Freunde, geht gern ins Schwimmbad. Aber Yeal fühlt sich kaputt. Noch schlimmer: Einmal hat sie versucht, sich das Leben zu nehmen, ein stümperhafter Versuch, wie sie selbst sagt, aber jeder noch so kleine Versuch ist ein Versuch zu viel. Yeal ist deshalb auch in Therapie.

Wie war das Lesegefühl?
Die Story ist nicht getrieben durch Spannung, da sie nicht auf einen Höhepunkt hinarbeitet, dennoch habe ich das Buch kaum aus den Händen gelegt. Die Art und Weise, mit der Yeal ihren Alltag meistert; der Humor, den sie gerade in dunklen Phasen ihres Leben immer bewahrt, hat mein Herz berührt. Ich habe lange spekuliert, wie alt Yeal ist. Einige Indizien sprechen immer wieder für eine Frau mittleren Alters. Die Sprache, die Yeal verwendet, und die Dinge, die sie tut, haben mich jedoch häufig viel mehr an einen jungen Teenager in der Pubertät erinnert. Manchmal gibt es Zeitsprünge, die das Lesen aber nicht komplizierter machen. Grundsätzlich ist die Sprache sehr leicht und alltagstauglich, so dass das Buch einfach zu lesen und die Handlung problemlos zu verstehen und zu fühlen ist.

War der Umfang angemessen?
Ich hätte noch stundenlang in Yeals Leben eintauchen können. Ihre lockeren Sprüche haben mich einfach zum Lachen gebracht. Dennoch ist der Rahmen des Romans mit 348 Seiten völlig angemessen und die Geschichte rund abgeschlossen.

Werde ich die Autorin und/oder die Thematik weiter verfolgen? 
Wer in diesem Buch auf Antworten auf schwierige Lebensfragen hofft, wird enttäuscht. Die Geschichte beweist jedoch, dass nach Dunkelheit immer wieder die Sonne scheint, was mit dem Bild des Frauenschwimmbades in diesem Roman nicht hätte besser verbildlicht werden können. Außerdem zeigt sich auf aufmunternde Art und Weise, dass man im Leben nie allein ist. Ich werde Nadine J. Cohen auf jeden Fall im Blick behalten und kann mir gut vorstellen, wieder einen ihrer Romane zu lesen.

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