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Chengdu weiß zu überzeugen: Nur das Wetter bleibt ungewiss

Bei den World Games Series gewann die deutsche Delegation in China einen sehr positiven Gesamteindruck vom Gastgeber der World Games im August. Sportlich überragten beim Testwettkampf vor allem die Flossenschwimmer.

DOSB Redaktion
DOSB Redaktion

01.04.2025

Die deutsche Delegation im Rahmen der World Games Series vor Ort in Chengdu (China).

Als Kai Schirmer am Dienstagmorgen aus Chengdu kommend wieder in Frankfurt landete, war von der Ungewissheit, mit der er eine Woche zuvor den Hinflug nach China angetreten hatte, nichts mehr übrig. „Wir können einen ganz grünen Haken hinter die Reise machen. Chengdu hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Ich habe einen rundum sehr positiven Gesamteindruck gewonnen und gehe extrem beruhigt in die kommenden Monate“, sagt der Sportdirektor der Leistungssportsparte in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Vom 7. bis 17. August finden in der 20-Millionen-Einwohner-Stadt in der südwestchinesischen Provinz Szechuan die World Games statt, die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten. Rettungsschwimmen, für das die DLRG verantwortlich zeichnet, zählt zum 34 Sportarten umfassenden Wettkampfprogramm, und am vergangenen Wochenende konnten sich 128 Athlet*innen aus drei dieser Sportarten - Pétanque, Underwater (mit den Disziplinen Flossenschwimmen und Freitauchen) sowie Rettungsschwimmen - beim Testwettkampf World Games Series mit den Begebenheiten vor Ort vertraut machen. 

  • Chengdu hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Ich habe einen rundum sehr positiven Gesamteindruck gewonnen und gehe extrem beruhigt in die kommenden Monate.

    Kai Schirmer
    Sportdirektor
    Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)

    Was das Sportliche angeht, stachen aus deutscher Sicht die Flossenschwimmer heraus. Überragender Athlet war Justus Mörstedt (23) vom SC DHfK Leipzig, der Gold über 50 m Apnoe, Silber über 100 m Surface sowie Bronze über 200 m Surface holte. Weitere Medaillen gewannen Michele Rütze (24/SG Dresden) mit Silber über 200 m Surface sowie Niklas Loßner (18/SC Riesa) mit Bronze über 50 m Apnoe. Auch die Rettungsschwimmer, die in Felix Hofmann (20/DLRG-Ortsgruppe Kelkheim) nur einen Athleten mit nach China gebracht hatten, durften über Edelmetall jubeln. Hofmann belegte in seiner Paradedisziplin 200 m Super-Lifesaver Rang drei. 

    Nicht ganz rund, angesichts der starken Konkurrenz aus Asien aber dennoch zufriedenstellend lief es für den Deutschen Pétanque-Verband (DPV). Das Mixed, bestehend aus Kerstin Lisner (28/Ratingen) und Matthias Laukart (33/Horb), belegte Rang sechs, im Einzel verpassten beide ebenfalls das Halbfinale. Weil ihre Wettkämpfe als Qualifikation für die World Games ausgeschrieben waren, dafür aber mindestens der Halbfinaleinzug vonnöten gewesen wäre, müssen sie nun hoffen, als Nachrücker ins Feld zu rutschen. Teilnahmeberechtigt sind die Top sieben der Welt plus China als Gastgeber, das deutsche Team liegt aktuell auf Rang zehn der Weltrangliste. 

    Entscheidender aber waren die Eindrücke, die die Delegationen abseits der Wettkämpfe sammeln konnten. „Ich hatte einige Bedenken angesichts der Sprachbarriere und der Unsicherheiten hinsichtlich der Organisationsstandards, aber die wurden allesamt von der Ankunft an abgeräumt. Der Grad der Organisation war super, überall waren freundliche und kompetente Hilfskräfte, Transport, Unterbringung und die Sportstätten genügen höchstem internationalen Standard“, sagt Kai Schirmer. Insbesondere das Tempo, in dem die Gastgeber die notwendigen Baumaßnahmen umgesetzt haben, beeindruckte den 37-Jährigen. „Vor vier Jahren stand in dem Viertel, wo jetzt die Wettkämpfe stattfinden, noch fast nichts, jetzt ist dort der neue Finanzdistrikt entstanden. Da kann man wirklich nur staunen“, sagt er. 

    Zu den Wettkämpfen war auch der in Chengdu ansässige deutsche Generalkonsul Aron Mir Haschemi gekommen, was Schirmer sehr freute. „Das hat uns die Wertschätzung für das Event gezeigt. Die World Games werden in Chengdu einen hohen Stellenwert haben.“ Davon konnte sich auch Michael Dörhöfer überzeugen. Der DPV-Präsident war mit seinen beiden Athlet*innen in die Elementary School Chengdu East eingeladen, um dort eine Demonstration der Sportart Pétanque vorzuführen. „Da waren 500 Kinder im Grundschulalter, die uns auf Englisch durch ihre Schule geführt und für uns gesungen haben. Das war atemberaubend“, sagt er. Zudem war der Münchner als Experte für den neuen Streamingdienst live.theworldgames.org aktiv, der von den Spielen mit bis zu 18 Feeds berichten will. „Das hat mir wichtige Eindrücke verschafft, was die Zwänge angeht, unter denen Liveberichterstattung steht.“ 

    • Bei Ankunft hatten wir angenehme 15 Grad, die schnell in Richtung 25 bis 30 Grad kletterten. Aber am Wettkampfwochenende waren es plötzlich unter zehn Grad. Damit hatten auch die vielen chinesischen Volunteers nicht gerechnet, die in ihren kurzen Hosen und Röcken ziemlich gefroren haben, und erklären konnte es auch niemand.

      Kai Schirmer
      Sportdirektor
      Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)

      Gewinnbringend sei die Teilnahme an den Testwettkämpfen aber auch aus sportinfrastruktureller Sicht gewesen. „Anfangs entsprach das Spielfeld nicht dem Standard, den es international braucht. Es war zu viel Belag darauf, so dass die Bälle sofort liegen blieben, anstatt zu rollen. Aber das wurde schnell angepasst, so dass am Abschlusstag sehr gute Wettkampfqualität erreicht war“, sagt er. Außerdem habe man anmerken können, dass bis zum August ein zweiter Platz zum Warmschießen errichtet werden sollte, um höchsten Anforderungen zu genügen. „Schon deshalb war es sehr wichtig, dass wir uns vor Ort einen Eindruck verschaffen konnten.“ 

      Überrascht waren nicht nur die Gäste aus aller Welt von den Wetterkapriolen in der vergangenen Woche. „Bei Ankunft hatten wir angenehme 15 Grad, die schnell in Richtung 25 bis 30 Grad kletterten. Aber am Wettkampfwochenende waren es plötzlich unter zehn Grad. Damit hatten auch die vielen chinesischen Volunteers nicht gerechnet, die in ihren kurzen Hosen und Röcken ziemlich gefroren haben, und erklären konnte es auch niemand“, sagt Kai Schirmer. Im August werden im Durchschnitt eine hohe Luftfeuchtigkeit und schwül-heiße 30 Grad erwartet. Aber wahrscheinlich ist das Wetter die letzte Ungewissheit, die noch geblieben ist. 

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